Blick auf einen grünen Wald mit jungem Gehöz

Exkursionsbericht: Buchenwald Grumsin

Am 03.06.2026 unternahmen die Biologiekurse der 11. Klasse des Freien Joachimsthaler Gymnasiums eine Exkursion in das UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin. Das Gebiet gehört zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und liegt nur wenige Kilometer von unserer Schule entfernt. Ziel der Wanderung war es, die Unterschiede zwischen einem bewirtschafteten Forstwald und einem natürlichen Wald kennenzulernen sowie verschiedene ökologische Zusammenhänge direkt vor Ort zu untersuchen.

Die Abfahrt erfolgte um 8:15 Uhr. Nach unserer Ankunft gegen 9:00 Uhr wurden wir von der Rangerin Christina Winter begrüßt, die uns während der gesamten Exkursion begleitete. Bevor wir losliefen, erklärte sie die wichtigsten Verhaltensregeln für den Aufenthalt im geschützten Kernbereich des Reservats. Da es sich um ein besonders wertvolles Naturschutzgebiet handelt, dürfen die Wege dort nicht verlassen werden.

Vielfalt der Vogelarten
Anschließend stellte uns Frau Winter eine besondere App vor, mit der Vogelstimmen aufgenommen und automatisch bestimmt werden konnten. Während der Wanderung sollten wir darauf achten, welche Vogelarten wir hören und ob wir sie auch ohne technische Hilfe erkennen würden.

Schon kurz nach Beginn der Wanderung konnten mehrere Vogelarten festgestellt werden. Besonders häufig hörten wir den Buchfink, die Kohlmeise, den Zilpzalp und die Mönchsgrasmücke. Es war interessant zu sehen, wie zuverlässig die App die verschiedenen Vogelstimmen erkannte und wie viele unterschiedliche Arten in diesem Waldgebiet vorkommen.

Gegen 9:30 Uhr erhielten wir Arbeitsblätter der Naturwacht Brandenburg. Diese dienten dazu, verschiedene Strukturen des Waldes zu untersuchen. Dabei lernten wir das Konzept der sogenannten Mikrohabitate kennen. Dazu gehören beispielsweise Baumhöhlen, abgestorbene Äste, Totholz, Pilze, Rindentaschen oder Risse in Baumstämmen. Solche Strukturen bieten vielen Tierarten wichtige Lebensräume.

Wir untersuchen Mikrohabitate
In diesem Zuge führte Frau Winter das Konzept der Mikrohabitate ein. Anhand der Arbeitsblätter analysierten die zuvor eingeteilten Gruppen Merkmale wie Astabbrüche an lebenden Bäumen, das Vorkommen von Baumpilzen sowie Rissen, stehendes und liegendes Totholz, Höhlen und Rindentaschen. Dabei wurde auch die biologische Alterung von Buchen thematisiert. Während eine Buche in einem naturbelassenen Ökosystem mühelos ein Alter von 300 bis 360 Jahren erreichen kann, werden Bäume in regulierten Wirtschaftswäldern meist schon nach rund 120 Jahren aus ökonomischen Gründen abgeholzt. Der Kontrast wurde direkt in der unberührten Zone sichtbar, als die Gruppen den intensiv genutzten Forstwald verlassen hatten. Es zeigte sich überaus deutlich: Dort, wo der Mensch nicht eingreift, ist die Dichte an wertvollen Mikrohabitaten drastisch höher.

Wald mit jungem Gehöz

Etwa um 10:00 Uhr erreichten wir eines der Moore des Grumsins. Dort erfuhren wir mehr über die Bedeutung dieser Lebensräume. Die Rangerin erklärte, dass viele Moore durch frühere Entwässerungsmaßnahmen geschädigt wurden. Damals wurden Gräben angelegt, um Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Dadurch ging viel Wasser verloren und der Grundwasserspiegel sank.

Schutz von Mooren ist Klimaschutz
Besonders interessant war die Erklärung zur Rolle der Moore im Klimaschutz. Solange ein Moor ausreichend Wasser enthält, speichert es große Mengen Kohlenstoff. Trocknet es jedoch aus, werden Treibhausgase freigesetzt. Deshalb trägt der Schutz von Mooren auch zum Schutz des Klimas bei.

Im weiteren Verlauf beschäftigten wir uns mit Amphibien, die in der Region vorkommen. In einem kleinen Quiz wurden verschiedene Arten vorgestellt. Anhand ihrer Rufe sollten wir herausfinden, um welche Tiere es sich handelte. Dabei lernten wir unter anderem den Teichfrosch, die Erdkröte, den Moorfrosch, den Grasfrosch, die Rotbauchunke und den Laubfrosch kennen. Besonders interessant war, dass sich männliche Moorfrösche während der Paarungszeit blau färben.

Eine Schülerin und die Lehrerin während der Exkursion im Wald.

Danach untersuchten wir die Vegetation des Waldes. Mithilfe der App „ObsIdentify“ wurden verschiedene Pflanzenarten bestimmt und dokumentiert. Die Anzahl der Pflanzenarten in der Krautschicht gibt Hinweise auf die ökologische Qualität eines Waldes. Außerdem betrachteten wir den Jungwuchs und die ausgewachsenen Bäume. Dabei wurde erklärt, warum junge Bäume oft durch Zäune geschützt werden müssen. Rehe fressen bevorzugt die jungen Triebe und können dadurch die natürliche Waldentwicklung beeinträchtigen.

Die Geschichte des Naturerbes
Ein weiterer Schwerpunkt war die Geschichte des Buchenwaldes Grumsin. Frau Winter erklärte, wie sich die Wälder nach der letzten Eiszeit entwickelt haben. Zunächst breiteten sich Baumarten wie Birken und Kiefern aus. Die Rotbuche setzte sich erst später durch, da ihre Samen deutlich schwerer sind und sich nicht so weit verbreiten können. Heute prägt sie große Teile des Waldes und macht den Grumsin zu einem besonderen Naturerbe.

Die Exkursions-Gruppe auf einem Waldweg.

Gegen Mittag fand in der Nähe des Buckowsees ein Baum-Erkennungsspiel statt. Dabei wurden jeweils zwei Personen zu einem Team zusammengestellt. Eine Person bekam die Augen verbunden und wurde zu einem Baum geführt. Dieser musste durch Tasten der Rinde und der Umgebung eingeprägt werden. Anschließend sollte der Baum ohne Augenbinde wiedergefunden werden. Das Spiel zeigte, wie viele Merkmale eines Baumes man wahrnehmen kann, ohne ihn zu sehen.

Die Rolle des Bibers in der Natur
Anschließend erfuhren wir mehr über den Biber. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Landschaften, da er Gewässer anstaut und dadurch neue Lebensräume entstehen lässt. Besonders beeindruckend war ein echter Biberschädel, an dem wir die typischen orangefarbenen Schneidezähne betrachten konnten.

Während der Wanderung konnten wir außerdem kurz einen jungen Frischling beobachten, der durch das Unterholz lief. Diese Begegnung machte deutlich, dass der Grumsin nicht nur ein geschütztes Gebiet ist, sondern auch vielen Wildtieren als Lebensraum dient.

Zum Abschluss wurden verschiedene Spiele und Aufgaben durchgeführt, bei denen sich alles um die Bedeutung des Waldes drehte. Anschließend fand eine gemeinsame Auswertung statt. Dabei wurden die wichtigsten Erkenntnisse der Exkursion zusammengetragen.

Spannend und lehrreich
Insgesamt war die Exkursion sehr interessant und abwechslungsreich. Besonders spannend war, viele Inhalte aus dem Biologieunterricht direkt in der Natur beobachten zu können. Außerdem wurde deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen einem Wirtschaftswald und einem Naturwald sind und warum der Schutz solcher Gebiete für die Artenvielfalt und den Klimaschutz wichtig ist.