FJG 2.0 – Lernen neu erleben

Alle lernen im gleichen Tempo bei dem gleichen Lehrer zur gleichen Zeit? Mit gleichen Materialien am gleichen Ort immer das Gleiche? Und das auch noch gleich gut? Dieses Jahrhunderte alte Modell, wie Schule grundsätzlich funktionieren soll, passt schon lange nicht mehr in die heutige Zeit: Die einen langweilen sich, die anderen sind überfordert. Zudem ist die Welt komplexer geworden und verändert sich immer schneller.

Wir verändern das Lernen
Alternative pädagogische Konzepte existieren, doch gerade Gymnasien sind noch sehr zurückhaltend. Können wir den Stoff noch schaffen, wenn wir uns vom klassischen Unterricht lösen? Das Abitur soll doch abgelegt werden! EIne bunte Grafik zeigt einen Schmetterling - das Logo der Schmetterlingspädagogik.

Für uns am Freien Joachimsthaler Gymnasium (FJG) steht fest: Ja, wir wollen das Lernen an unserer Schule grundlegend verändern, hin zu eng begleitetem, personalisiertem Lernen und viel Praxisbezug. Und ja – die Fachlichkeit und das Abitur als Ziel werden wir trotz allem stets im Blick behalten.

In diesem Veränderungsprozess orientieren wir uns im Wesentlichen an der Alemannenschule Wutöschingen (ASW) in Baden-Württemberg: Eine Schule, die zweifach mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde und bereits im ersten Abiturjahrgang einen Abi-Durchschnitt der Schülerinnen und Schüler von 1,7 (bei landesweit 2,2) erreichte – und die als Schule auch weiterhin so erfolgreich ist.

Professionelle Begleitung der Veränderungen
Was mit einer internen Arbeitsgruppe zur Begabungsförderung begann, wird seit ca. einem Jahr durch die beiden Soul Teachers Claudia Schwegmann und Antje Schierhorn als externe Transformations-Begleiterinnen professionell unterstützt.  Die beiden Soul-Teachers stehen nebeneinander.

Auf unserem Weg der Umgestaltung fanden im August 2026 mit beiden im Rahmen unserer Vorbereitungswoche für das beginnende Schuljahr schulinterne Fortbildungstage am FJG statt. Das Kollegium, der Geschäftsführer des Schulträgers ASB Regionalverband Barnim e.V. André Mettin, sowie interessierte Eltern und Schüler:innen machten sich Gedanken, wie die sogenannte Schmetterlingspädagogik der ASW auf unser Gymnasium übertragen werden kann.

Die Schulleiterin und der Geschäftsführer beugen sich über einen Tisch und korrigieren einen Raumplan.

Vorgestellt: Selbstorganisiertes Lernen
Schmetterlingspädagogik? Dieses Bild prägte vor allem Stefan Ruppaner, ehemaliger Schulleiter der ASW und Autor des Buches „Das könnte Schule machen“. Die beiden Flügelhälften eines Schmetterlings stehen einerseits für das Selbstorganisierte Lernen (SoL) und andererseits für das Lernen durch Erleben (LdE).

Im SoL können die Schüler:innen vorbereitete Materialpakete vor allem in den Hauptfächern in ihrem eigenen Tempo und mit eigenen Schwerpunktsetzungen bearbeiten. Lernort und Lernpartner:innen wählen sie dabei selbst. Verbunden ist diese Phase mit wachsenden Freiheiten und Verantwortungen, je nach erreichtem Level im Graduierungssystem.

Verschiedene Räume werden für die verschiedenen Arbeitsformen zur Verfügung stehen, sodass sowohl konzentriertes, ruhiges Arbeiten als auch kooperatives Arbeiten möglich sein wird.

Eng begleitet wird jeder Schüler und jede Schülerin durch eine Lehrkraft – jetzt neu als Lernbegleiter:in bezeichnet. Dazu finden wöchentlich Coaching-Gespräche statt. Darin wird der aktuelle Stand erfasst, welche Sorgen es gibt und was die Pläne für die jeweils nächste Woche sind. So erfolgt die Begleitung viel intensiver, als es derzeit der Fall ist. Tests werden außerdem durch sogenannte Gelingensnachweise ersetzt. Diese werden erst dann geschrieben, wenn Schülerinnen oder Schüler soweit sind. Erst nach dem Bestehen eines solchen Gelingensnachweises wird das Lernen in dem nächsthöheren Level fortgesetzt. Nur wer etwas wirklich verstanden hat, geht also weiter im Stoff – ganz anders, als es heute oft der Fall ist.

Woher nehmen die Lernbegleiter:innen aber die doch so knappe Zeit für die intensiven Einzelgespräche? Diese Zeit wird frei, weil Lehrkräfte nicht mehr im klassischen Unterricht gebunden sind. Sie geben noch hier und da Input oder leiten Angebote im Bereich Lernen durch Erleben, stehen aber sonst für persönliche Lernbegleitung zur Verfügung. Die Beziehungsebene innerhalb der Schule wird dadurch enorm gestärkt.

Vorgestellt: Lernen durch Erleben
Bei dem anderen Schmetterlingsflügel – Lernen durch Erleben (LdE) – stehen Anwendungen und Praxis im Vordergrund, also das projektartige Lernen. Hier wird häufig fachübergreifend und auch jahrgangsübergreifend gearbeitet. Aus verschiedenen Angeboten haben die Schüler:innen die Wahl. Somit können sie selbst Schwerpunkte setzen bzw. bestimmte Interessen besonders vertiefen. Dennoch wird es neben den völlig frei wählbaren auch Basis- bzw. Pflichtmodule geben, sodass eine breite Allgemeinbildung weiterhin gesichert ist.

Nicht zuletzt wird es eine digitale Lernumgebung geben, die beide der oben beschriebenen Flügelhälften verbindet. Auf dieser Plattform werden alle benötigten Materialien zur Verfügung gestellt, Ergebnisse gesammelt, Fortschritte sichtbar gemacht. Sie dient außerdem der Kommunikation zwischen allen Beteiligten, Lehrkräften, Schüler:innen, Eltern und sorgt insgesamt für Transparenz.

Und das Fazit?
An den beiden Fortbildungstagen im August haben wir uns mit einzelnen Modulen der Schmetterlingspädagogik näher beschäftigt, eine genaue Vorstellung von einem Arbeitstag sowohl aus Schüler- als auch aus Lehrkraftsicht entwickelt und Rahmenbedingungen für eine Adaption auf unsere Schule festgehalten. So werden Rahmenlehrpläne weiterhin beachtet, ebenso wie alle gesetzlichen Vorgaben für Schulen bzw. Gymnasien im Land Brandenburg.

Eine Menge Arbeit liegt damit vor uns Lehrkräften, um das Konzept inhaltlich und strukturell im laufenden Schuljahr so zu entwickeln, dass wir im kommenden Schuljahr mit Klasse 7 oder sogar mit den Klassen 7 und 8 starten können. Dafür werden wir unter anderem einmal im Monat die neu eingeführten Praxislerntage in den Klassenstufen 7 – 10 nutzen.

Wir freuen uns auf inspirierende Mitwirkung
Wir sind überzeugt, dass unsere Bestrebungen nach Veränderung des Lernens und des Umgangs miteinander an unserer Schule richtig und wertvoll für uns und unsere Schüler:innen sind. Das gibt uns die nötige Motivation und Kraft, die vor uns liegenden  Aufgaben zu meistern. Wir sind gespannt auf unsere Entwicklung und freuen uns über jede konstruktive Idee und über Angebote, sich selbst einzubringen! Gemeinsam gestalten wir unsere Schule neu: FJG 2.0 – Lernen neu erleben!

Petra Koglin
Schulleiterin

DAs Logo der Schmetterlingspädagogik